REPUTATION MANAGEMENT MEGA-FAIL

Artikel vom 12. September 2012. 5 Kommentare »

Betty W. und die Geister, die ich rief… Wie man seine eigene Online Reputation komplett und nachhaltig zerstört, zeigt aktuell der Fall von “Betty” W. Was wurde falsch gemacht und wie hätte Sie ein besseres Ergebnis erzielen können? Der Versuch einer Antwort.

Ich finde es unglaublich assozial, unwürdig und haltlos, wie derzeit mit unserer “Ex-Firstlady” umgegangen wird. Ich war und bin zwar kein Fan unseres ehemaligen Präsidentenpaares, aber ich kann als Onliner absolut nachvollziehen, wie erbarmungslos das “Internet” zuschlagen kann. Und wie machtlos und ausgeliefert sich ein “Laie” dabei vorkommen muss. Ich werde hier also ganz bewusst die entsprechenden Keywords nicht verwenden und ggf. diese Seite auf noindex-stellen.

Man kann jedoch an diesem Fall eine Menge darüber lernen, wie Reputations-Management im Internet funktioniert. Aber auch, wie es eben nicht geht.

Preisfrage: Wonach suche ich, wenn man mir sagt ich soll es NICHT machen?

Fragen wir Google doch selbst:

Hintergrund: Im Jahr 2011 tauchten Gerüchte (scheinbar aus Parteikadern) über Frau W.s angebliches Vorleben auf. Diese wurden von einigen Medien und Bloggern aufgegriffen und (ungeprüft) weiterverbreitet. Die Meldungen waren im Netz und Leute begannen, nach diesem Thema bei Google zu suchen. Google nutzt häufige Suchanfragen zur Vervollständigung eingegebener Begriffe. Auf diese Weise setzte sich also das fiese Gerücht in der Autocomplete-Funktion bei Google bis heute fest. Logischerweise versucht Frau W., nachdem es um die berufliche Veränderung Ihres Gatten ruhiger geworden ist, gegen diese Gerüchte, die sich zu Verleumdungen ausgewachsen haben, vorzugehen. Zeitgleich erscheint ihr neues Buch “Jenseits des Protokolls” im Handel, die terminliche Nähe ist sicher kein Zufall. Soviel zur Vorgeschichte.

Chronologie eines Mega-Fails.

Freitag, 07.09.2012: Der Spiegel berichtet, dass Frau W. juristisch gegen Günther Jauch und Google vorgehen wird. Zudem wird berichtet, dass Ihre Anwälte bereits Unterlassungserklärungen gegen 34 Medien und Blogger erwirkt haben.

KABOOM! Diese beiden Kardinalfehler bringen den Shitstorm erst so richtig in Fahrt, denn nun greifen diverse Medien das Thema (erneut) auf.

1. Fehler: Man schickt keine Unterlassungserklärungen an Medien und Blogger um sein Image aufzubessern!

Dieses Vorgehen ist in sich absolut unlogisch und kontraproduktiv, weil es reflexartige Abwehrreaktionen hervorruft! Selbst wenn die Unterlassung durchgesetzt werden kann, hinterlässt juristisches Vorgehen immer einen sehr negativen Eindruck, denn das Opfer wird womöglich als Agressor wahrgenommen. Insbesondere wenn man gute Argumente auf der Seite hat, nämlich die Korrektur unhaltbarer Gerüchte!

Lösung: Eine Charme-Offensive! Besser wäre es gewesen, persönlich mit den entsprechenden Medien und Bloggern in Dialog zu treten um eine Löschung, Korrektur oder Gegendarstellung der Berichte zu erwirken. Dies kostet natürlich Überwindung, keine Frage. Aber ein freundlicher, persönlicher Kontakt zeitnah zur Veröffentlichung im letzten Jahr hätte sicher in vielen Fällen zu einer positiven Berichterstattung geführt. Jeder vernünftige, faire Berichterstatter oder Blogger wäre nach einem persönlichen Telefonat mit Frau W. vor lauter Scham im Boden versunken. Dabei sollte die positive Kontaktaufnahme dokumentiert werden, denn es werden nicht alle Autoren mit sich reden lassen oder generell fair berichten wollen.

Hier kann man dann im zweiten Schritt die juristische Keule schwingen, wobei der freundliche Erstkontakt dafür sorgt, nicht als Agressor zu erscheinen.

2. Fehler: Man schickt keine Unterlassungserklärungen an Günther Jauch und Google, wenn man ein Thema begraben möchte!

Es ist eine Sache, kleinen Bloggern und Medien die Keule zu zeigen, es sind leichtere Gegner die schnell klein beigeben. Hier muss klar sein, dass das Thema erneut durch die Medien zieht! Was seit Mittwoch auch ununterbrochen geschehen ist, der Spiegel berichtet fast täglich und alle anderen Zeitungen ziehen mit…

Das Thema war schon tot, aber seit der juristischen Offensive explodiert das Interesse an genau den Suchbegriffen, die man eigentlich begraben wollte! Das hat exakt den gegenteiligen Effekt zur Folge, den man damit beabsichtigte:

Die unschönen Suchbegriffe setzen sich immer weiter bei Google in der Autocomplete-Funktion fest, je mehr Leute danach suchen. Auf diese Weise werden immer mehr Menschen überhaupt erst auf das Thema aufmerksam. Heute reicht es, nur die Buchstaben “BE” bei Google einzugeben und schon sieht man das ganze Dillema! Dies ist einzig und allein der fehlgeleiteten Reputationsarbeit zu verdanken.

Lösung: Extrem schwer! Jeder halbwegs ehrliche Reputationsmanager wird wissen, dass man nicht alle Berichte einfach löschen oder dem Weltkonzern Google mit einer Unterlassungserklärung kommen kann. Das beste ist es, negative Themen mit positiven Meldungen zu verdrängen, anstatt die negativen Themen mit Hilfe von Anwälten weiter zu befeuern. Grobe Ansätze scheint es gegeben zu haben mit mehreren Interviews in der Boulevard-Presse, nur war ebenfalls die zeitliche Folge nicht gut gewählt.

Interessanterweise hat Günther Jauch wohl die Unterlassung akzeptiert, wahrscheinlich weils ihm einfach peinlich war. Google lässt es jedoch auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen. Dies sollte auch keine Überraschung sein, hat aber unter Umständen zur Folge, dass sich das ganze Thema weiter in der Öffentlichkeit hält.

Montag, 12.09.2012: Anfang dieser Woche kam dann das neue Buch von Betty W. auf den Markt, in dem Sie nochmals Stellung zu den Gerüchten bezieht. Das sollte dann wohl der letzte Nagel im Reputationssarg von Frau W. sein.

Problem: Die zeitliche Nähe der Buchveröffentlichung mit dem Bekanntwerden der Unterlassungsklagen passen nicht zusammen. Entweder man ist als “Opfer einer Verleumdung” glaubwürdig oder man versucht den Absatz des eigenen Buches zu steigern. Beides ist meiner Meinung nach nicht vereinbar. Der Shitstorm wird zum ultimativen Shit-Hurricane!

Twitter und Facebook überschlagen sich mit hämischen Kommentaren und selbst der Verkauf des Buches bei Amazon wird beeinträchtigt. Wie man sieht, wird das Buch mit  fiesen Tags begrüßt.

Fazit: In Summe ein erneuter PR-Supergau im Hause W. Man kann nur hoffen das die Akteure Ihre PR-Berater austauschen und endlich kapieren, das Reputationsarbeit mit Anwälten in der digitalen Medienwelt einfach nicht mehr funktioniert.

Aber wer weiss, vielleicht ist die ganze Nummer ja als brilliante Marketingmaßnahme für das Buch gedacht gewesen … ;-)

5 Kommentare, deine Meinung?

  1. Hi Dennis,

    die Frage ist doch nur, was das Ziel dieser Kampagne war? Aufmerksamkeit! Aufmerksamkeit und somit erhoffte Käufe für die Klagebibel der Bettina Wulff. Immerhin aktuell bei amazon noch in den Top 10 der Buch-Bestseller.

    Ist der Ruf erst ruiniert… Bleibt zu hoffen, dass Familie Wulff medial vollständig verschwindet. Das ganze Spektakel ist nicht mehr zu ertragen.

  2. Timucin sagt:

    Ich denke das Dein letzter Satz des Rätsels Lösung ist.
    Wo bei ich das brillant doch lieber streichen möchte, eine Marketingmaßnahme wird es aber auf jeden Fall sein.
    Viele Grüße

  3. Matthias sagt:

    Lustig finde als Ergänzung zu Deinem Fazit nur, dass Betty W. sich ja jetzt als PR-Beraterin selbständig gemacht hat. Das zitiert sie auch in jedem zweiten Interview. Insofern hat sie wohl die erste Garde der Berater bereits zum Teufel gejagt und macht jetzt alles selbst ;)

  4. Tony M. sagt:

    Genial die Frau, LOL. :P

  5. Markos sagt:

    Sieht doch auf den ersten Blick alles nach PR aus…..hätte da nicht ihr Gatte schon bewiesen, dass er ein schlechtes Händchen für den Umgang mit Medien hat *lol*

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